Die Probleme bei uns

Updated: 7. September 2019

Die Probleme bei uns

Meist beginnt es am Freitag. Die Überflüge werden massiv mehr. Am Wochenende und an Feiertagen (wenn es die Windlage zulässt und auch bei Windstille). Wien wird vom Fluglärm entlastet. Wir bekommen alles ab. Unsere Gärten sind dann nur mehr Deko nach außen hin, aber unbenutzbar. Gespräche außerhalb der Häuser wenn gerade im Minutentakt gelandet wird, nahezu unmöglich. Unsere Liegenschaften wurde damit entwertet, die Lebensqualität vernichtet. Fluglärm macht krank und auch aggressiv. Fluglärm ist gesundheitsschädigend, das ist mit Studien bewiesen! Die Fluglobby macht bei uns was sie will, weil es keinerlei Gegenwehr gibt. Warum nicht? Dabei ist die Problematik  ganz klar.

Wenn man sich die Fluglärmproblematik in Kapellerfeld einmal genau betrachtet, kristallisieren sich einige gravierende Gegebenheiten heraus, die massiv dafür verantwortlich sind.

  • Point Merge

Point Merge ist ein modernes Anflugverfahren, welches eine im Vergleich zu Standardanflügen verbrauchs- und emmissionsärmere Landung ermöglicht. Zugleich versucht es für eine Vielzahl an Fluglärmbetroffenen im Umfeld der Flughäfen für eine erheblich geringere Lärmbelastung. Leider ist dieses verfahren ein Mehraufwand für die ACG, und das wiederum verhindert die Einführung auch bei uns. Mehraufwand nur zur Entlastung der Bevölkerung wird rund um den Flughafen Wien kategorisch abgelehnt!

Mehr zum Point Merge Verfahren:

http://www.point-merge.de/flughafen-wien-vie/

Zitat daraus: “Am Flughafen Wien können aufgrund der topographischen Gegebenheiten problemlos Gleitwinkel größer 3 Grad geflogen werden. Im Jahr 2010 fanden 35,2 % aller Landungen in der Nacht im stufenlosen Anflugverfahren CDA statt; 33,4 % der Landungen erfolgten als Level Flights mit Geschwindigkeitsreduktion und dadurch geringeren Geräuschemissionen.”

  • Die “pfeifende Johanna”, Maschinen der Baureihe A319, A320 und A321.

Das extrem laute Heulgeräusch, dass man im Minutentakt hört, wenn AUA & Co über uns hinweglanden, hat folgenden simplen Grund: Wenn die Landeklappen gesetzt werden, strömt die Luft über die Tankentlüftung. Das gibt dann ein unangenehmes Pfeifgeräusch, wie es beim Blasen über die runde Öffnung einer leeren Flasche entsteht. Eine Abhilfe würde ein sogenannter “Wirbelgenerator” bringen, wie sie auch die Lufthansa schon auf ihren Maschinen nachgerüstet hat. Warum das bei den anderen Fluglinien nicht gemacht wird, und die Bevölkerung weiterhin mit dem Heulen terrorisiert wird, ist uns ein Rätsel. So sieht das Teil aus, das montiert werden müsste, um leisere Anflüge zu haben:

Eine einfache und billige Lösung, die viel bewirkt, aber offensichtlich bei AUA, Lauda & Co nicht zum Einsatz kommt.

Infos dazu gibts auch hier:

http://www.airportzentrale.de/luftpost-54-die-pfeifende-johanna/34167/
https://www.fr.de/rhein-main/offenbach/british-airways-org26480/nervige-pfeiftoene-sind-weg-11648570.html
https://www.fluglärm-portal.de/fluglaerm-debatte/laermquellen/

  • Das Anflugverfahren mancher Airlines, wie zum Beispiel der AUA.

Speziell die AUA fliegt oft 30-50km in relativ gleicher Höhe über Niederösterreich um dann in den Leitstrahl einzuschwenken. Dabei laufen die Turbinen natürlich nicht wie im kontinuierlichen (und damit lärmsparenden) Sinkflug, sondern auf einer Drehzahl die für uns am Boden als ein “Kreischen” in immer gleicher Frequenz und Tonlage wahrgenommen wird. Dieses Kreischen treibt einen nicht nur vom Garten in die Häuser, sondern durchdringt auch die Fenster und Türen. Es ist allgegenwärtig, wenn man nicht ein Haus in Schallschutzbausweise hat.

Abhilfe würde hier ein “Continuous
Descent Approach” also ein kontinuierlicher Sinkflug zur Landebahn bringen.

“Anflugverfahren werden laufend lärmoptimiert, das CDA-Verfahren (Continuous Descent Approach), bei dem der Flughafen quasi im Leerlauf angeflogen wird, befindet sich in Deutschland bereits in der Probephase und wird auch in Österreich etabliert werden. Da Ihr Wohnort im Anflugbereich des Flughafens Wien liegt, ist hier für Ihre Situation eine signifikante Verbesserung zu erwarten.” (04.11.2011 BMVIT-Servicebüro)

6 Jahre sind nun seit dieser Mitteilung vergangen, und was ist passiert? Nichts! Was hat sich am Anflugverfahren geändert? Nichts! Die landenden Maschinen kreischen nach wie vor im Minutentakt über uns hinweg.

Ebenso dürfte es an der Flugzeugkonfiguration liegen, denn Maschinen gleichen Typs von anderen Airlines sind um vieles leiser und kreischen nicht. Dieses Phänomen ist auch bei Flugzeugen des Typs B777 zu beobachten, wo die AUA Maschinen um einiges lauter sind als jene anderer Airlines!

Abhilfe: Unterschiede und Ursachen abklären und Maschinen auf- oder umrüsten.

  • Das Problem der seit der Mediation bei uns eingeführten “transition arrays”.

Dabei wird den anfliegenden Flugzeugen je nach Verkehrsaufkommen die Freigabe zum Einschwenken in den Leitstrahl gegeben. Kapellerfeld liegt da mitten drin. So kommt es laufend vor, dass die Flugzeuge im Kurvenflug über das Ortsgebiet einschwenken und damit noch lauter als im Geradeausflug sind.

Abhilfe: Einschwenken entweder weit vor dem Siedlungsgebiet (zwischen Wolkersdorf und Seyring) in den Leitstrahl, oder nach dem Siedlungsgebiet (zwischen Kapellerfeld und Süssenbrunn).

Abhilfe 2: Der gekurvte Anflug (courved approach), bei dem die landenden Flugzeuge per Radarführung um Ortschaften herum und über freie Flächen gleitet werden, um zur Landepiste zu kommen.

  • Das Problem mit der niedrigen Überflugshöhe.

Laut schriftlicher Auskunft des BMVIT wird Kapellerfeld in ca. 5000ft MSL. (1524m) überflogen:

“Kapellerfeld liegt direkt in der Anflugschneise zu Piste 16, die Luftfahrzeuge befinden sich dort in einer Höhe von ca. 5000 ft ü.A. Um die Auswirkung des Fluglärms in der Nähe des Flughafens Wien zu mindern, wurde das Dialogforum als Ergebnis des Mediationsvertrags eingerichtet. Hier können Beschwerden und Anregungen zur Verbesserung der Flugroutenführung eingebracht werden. Es findet eine jährliche Evaluierung statt. Auch die Einhaltung der Nachtflugbeschränkung wird hier erörtert. Ihr Wohnort liegt nicht in einer Lärmzone, die vom Flughafen durch Lärmschutzfenster oder Lüfter gefördert wird. Dazu sind – auch wenn es von Ihnen zugegebenermaßen anders wahrgenommen wird – die Lärmpegel zu gering. Auch die Bundes-LärmV, für die bis 2012 aktualisierte Lärmkarten und Konfliktzonen für den Flughafen Wien berechnet werden, kann hier keine Abhilfe schaffen: Die bereits vorliegenden Rohfassungen der Konfliktzonen um den Flughafen Wien reichen gegen Norden nur bis in die Höhe von Groß-Enzersdorf.” (04.11.2011 BMVIT-Servicebüro)

Das dies nur im Ausnahmefall passiert, wissen die auskunftgebenden Herrschaften, lügen aber trotzdem rotzfrech was dieses Thema anbelangt. Laut einem Zeitungsartikel und der Aussage der Austro-Control werden wir in 4000ft MSL, und laut Dialogforum in 3620 ft MSL bis 4620 ft MSL (1.100 m bis 1.400 m über den Meeresspiegel) überflogen. Tatsächlich darf bei uns laut Dokumente der ACG bis 2500ft MSL herab geflogen werden, was einer Höhe von nur mehr 762m entspricht. Wir werden also mit verschiedensten Aussagen konfrontiert, und auf konkretes Nachfragen gibt es dann keinerlei Auskünfte mehr.

Abhilfe würde hier nur die Einhaltung der Flughöhe von rund 5000ft MSL schaffen. Doch das ist offensichtlich nicht gewollt, und wird bei den “transition arrays” auch nicht eingehalten.

Ein Beispiel zur geringen Flughöhe. Es kann nicht sein, dass diese schweren und dröhnenden Maschinen um vor 5 Uhr früh in weit weniger als 3000ft MSL über Ortsgebiet geleitet werden! Das ist die Politik gefordert um das zu verhindern:

  • Das Problem der ausgefahrenen Fahrwerke und Landeklappen

Ja, auch das erzeugt enormen Lärm! Flugzeuge über unserem Ortsgebiet, die bereits das Fahrwerk draußen haben (20-25km vor der Piste!) oder – wie bei den riesigen und schweren Frachtmaschinen – die Landeklappen bereits voll ausgefahren haben.

Abhilfe gibts nur wenn die Landeprozedur geändert wird.

Alle Maschinen im Überflug über Kapellerfelder Ortsgebiet.

  • Die Nachtflüge

Während Wien ein Nachtflugverbot zwischen 21 und 7 Uhr hat, gibt es bei uns nur eine Nachtflugregelung. Diese besagt, dass zwischen 23:30 und 5:30 Uhr nur eine gewisse Anzahl an Landungen durchgeführt werden dürften. Die Tatsache schaut so aus, dass in Spitzenzeiten zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens (das ist die Zeit, in der die meisten Bewohner eben ihre Schlafruhe haben möchten!) bis zu 40 Landungen stattfinden. Auch wenn man die Lärmbelastung “schönrechnet” ist jeder einzelne Überflug mit einem Wecken verbunden. Das wollen die Herrschaften aber nicht einsehen. Während Wien in den Nachtstunden komplett entlastet ist, wickelt man alles über uns hinweg ab.

“Mit der Inbetriebnahme der 3. Piste wird die Zahl der Nachtflugbewegungen auf 3000 pro Jahr gedeckelt. Dies ist eine deutliche Verbesserung gegenüber der derzeitigen Lage.” (04.11.2011 BMVIT-Servicebüro)

Diese Aussage ist eine reine Schutzbehauptung. Wir alle wissen, dass es anders kommen wird. Und welche Entlastung ist es, wenn trotzdem im Schnitt 8 Flugzeuge TÄGLICH in der Nacht zwischen 23:30 und 5:30 Uhr über uns hinwegdonnern oder -kreischen und uns wecken?

Abhilfe würde hier nur ein großräumiges Umfliegen der Siedlung, oder ein Nachtflugverbot schaffen.

  • Die Umweltfaktoren sind ein Thema!

Die Politik und die Fluglobby bestreiten ja zum Thema Umwelt alles was den Flugverkehr betrifft. Dass die Triebwerke jede Menge an Fein- und Feinststaub ausstoßen, ebenso wie Giftstoffe, wird bestritten. Ebenso das sogenannte “fuel dumping” das eigentlich verboten ist, aber in Notfällen durchgeführt werden darf. Das Problem dabei: Bei uns gibts keine Notfälle, sondern nur überschwere Maschinen, die ihren Treibstoff auch über Siedlungsgebiet ablassen. Man kann das immer wieder bei den Frachtmaschinen beobachten. (Das Kerosin wird über Ablassdüsen an den Flügelspitzen abgelassen. Hier eine Cargolux-Maschine im Landeanflug über Kapellerfeld)

Das “fuel dumping” trotz aller Dementi über uns statt findet, beweist auch der eine oder andere Medienartikel darüber, hier zum Beispiel in der Krone:

Weitere Beispiele:

 

Die Ignoranz der Stadtgemeinde Gerasdorf bei Wien

Man muss es leider schon so bezeichnen, denn niemand erfährt auch nur etwas darüber, ob da etwas seitens der Gemeinde getan wird, oder nicht. Die Bezirkskonferenzen die ja regelmäßig in Deutsch Wagram stattfinden sind zum Beispiel so ein Thema. Werden Vertreter von Gerasdorf da hin gesendet? Wenn ja, was ist mit den Infos darüber? Wer ist dort für uns anwesend, und welche Meinung und von wem vertritt diese Person? Was ist mit dem Informationsfluss? Als Betroffene haben wir ein Recht an den Informationen!

Es geschieht einfach nichts! Denn auch da will man das Problem totschweigen und aussitzen.