{"id":1519,"date":"2017-03-24T20:51:08","date_gmt":"2017-03-24T18:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.veigl.net\/blog\/?p=1519"},"modified":"2017-03-24T20:52:25","modified_gmt":"2017-03-24T18:52:25","slug":"mangelndes-vertrauen-beim-hund-von-ta-bela-f-wolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/?p=1519","title":{"rendered":"Mangelndes Vertrauen beim Hund (von TA Bela F. Wolf)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mangelndes Vertrauen beim Hund (von TA Bela F. Wolf)<br \/>\n<\/strong><em>(Quelle: https:\/\/www.fischundfleisch.com\/tierarzt\/mangelndes-vertrauen-beim-hund-33243)<\/em><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h6><a href=\"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/14-01-10_1427.jpg\" rel=\"lightbox[1519]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1520\" src=\"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/14-01-10_1427-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"853\" srcset=\"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/14-01-10_1427-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.veigl.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/14-01-10_1427-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.veigl.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/14-01-10_1427.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><br \/>\nFoto: Christian Veigl<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielleicht erinnern Sie sich noch an meine Worte \u00fcber mangelnde Aufmerksamkeit beim Hund? Es gibt keine unaufmerksamen Hunde, es sind die Menschen, die nicht gen\u00fcgend aufmerksam gegen\u00fcber ihren Vierbeinern sind. Wer mag, kann gerne hier nachlesen: <a href=\"https:\/\/www.fischundfleisch.com\/tierarzt\/mangelnde-aufmerksamkeit-beim-hund-25217\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\"><span style=\"color: #0066cc;\">https:\/\/www.fischundfleisch.com\/tierarzt\/mangelnde-aufmerksamkeit-beim-hund-25217<\/span><\/a><\/p>\n<p>Gleiches gilt auch f\u00fcr das mehr als mangelhafte Vertrauen, das Zweibeiner ihren Vierbeinern entgegenbringen- und nicht umgekehrt.<\/p>\n<p>Mangelndes Vertrauen in eine Spezies, die wirklich alles tut, um es den Menschen recht zu machen.<\/p>\n<p>Und wie danken wir es ihnen?<\/p>\n<p>Beispielsweise mit einem Maulkorb. Eine der \u00fcbelsten Erfindungen an Zwangsma\u00dfnahmen f\u00fcr ein Tier mit Herzensg\u00fcte und Hirn.<\/p>\n<p>Deutschland, Berlin, 2. Juli 1863. Eine Anordnung der Polizei ergeht an das Volk, nach der &#8220;jeder Hund, welcher auf \u00f6ffentlicher Stra\u00dfe oder an Orten, wo das Publikum sich aufh\u00e4lt, verkehrt oder zu verkehren pflegt, mit einem regelrechten Maulkorb versehen sein mu\u00df&#8221;. Tr\u00e4gt der Hund auf der Stra\u00dfe keinen Maulkorb, wird er \u201eim Interesse der allgemeinen Sicherheit\u201c durch private Scharfrichtereigesellen eingefangen, denen man das Tier aber wieder wegnehmen konnte- wenn man denn rechtzeitig an Ort und Stelle war.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich, 2017. Heute herrscht fast \u00fcberall Maulkorbzwang. Die Mentalit\u00e4t der Menschen zu ihren Hunden hat sich stark ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich zum Besseren?<\/p>\n<p>Dazu werfen wir mal einen kurzen Blick auf den faszinierendsten Sport der Hundewelt, den Schlittenhundesport.<\/p>\n<p>Auch die Vereinswelt rund um den Schlittenhundesport hat sich stark ver\u00e4ndert. Nicht immer zum Guten.<\/p>\n<p>Mangelndes Vertrauen in seine eigenen Hunde da wie dort l\u00e4sst stark daran zweifeln, ob wirklich die richtige Richtung eingeschlagen wurde.<\/p>\n<p>\u201e<em>Die nordischen Schlittenhunde (Nach FCI: Siberian Husky, Alaskan Malamute, Samojede und Gr\u00f6nlandhund) wurden immer mehr zur\u00fcckgedr\u00e4ngt oder die Rasse selbst mittlerweile so ver\u00e4ndert und angepasst, dass sie dem Rassestandard teilweise schon nicht mehr entsprechen. Trotzdem erhalten sie Papiere und gelten als reinrassig. Alaskan Huskies, German Trail Hounds, Vorsteherhunde, und jede Menge f\u00fcr Geschwindigkeit gez\u00fcchtete Mischlinge pr\u00e4gen mittlerweile das Bild von Schlittenhunderennen.\u201c<\/em>, so schildert ein Fachmann der Schlittenhunde-Szene in \u00d6sterreich die aktuelle Lage. Einer der es wissen muss, aber hier nicht namentlich genannt werden will, weil die Guten im Land bekanntlich immer angegriffen werden.<\/p>\n<p>Was ebenso bedenklich ist wie die falsche Richtung, weil meist genau die Menschen (oder in dem Fall die Musher) Kritik einstecken m\u00fcssen, die ihre Hunde ohnehin lieben, hegen und pflegen.<\/p>\n<p>Fragen wir doch einmal genauer nach beim Schlittenhunde-Experten, wie es \u00fcberhaupt so weit kommen konnte:<\/p>\n<p><em>\u201eMit der Entscheidung die die Vereine damals trafen, sich nun erstmals zu mischen, wurde auch das Ende der klassischen Schlittenhunderennen eingel\u00e4utet, und auch das Thema Tierschutz vernachl\u00e4ssigt. Durch die h\u00f6heren Geschwindigkeiten die die Offenen fahren wollten, kam es unweigerlich zu Problemen mit den Nordischen. Die Hunde wurden als \u201eBremse\u201c und \u201eHindernisse\u201c bezeichnet, die Trails sollten immer gerader verlaufen (was Nordische gar nicht m\u00f6gen, aber den Offenen h\u00f6here Geschwindigkeiten erm\u00f6glichten), die Nordischen vertrugen sich untereinander aufgrund ihrer gemeinsamen K\u00f6rpersprache halbwegs gut, die Offenen mit ihren Angewohnheiten (frei laufen lassen, herumtoben am Gel\u00e4nde, etc.) passten da nicht rein, Bei\u00dfereien und Streit war vorprogrammiert. Auch die Mentalit\u00e4t der beiden Musher-Gruppen unterschied sich in Punkto Hundehaltung, Beziehung zu den Hunden, und den einzelnen Charakteren gewaltig. Die Musher der Nordischen waren gro\u00dfteils froh dass sie fahren konnten, die offenen forderten immer mehr \u00c4nderungen zu Gunsten ihrer Hundeart. Dazwischen gab es dann noch die Gruppe von Mushern, die nun begannen, die Nordischen praktisch hochzuz\u00fcchten, um diese schneller zu machen. Ehrgeiz und Stockerlgeilheit begannen sich nun zus\u00e4tzlich durchzusetzen. Man wollte ja die Offenen irgendwie schlagen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Punkto Tierschutz und Sicherheit f\u00fcr Mensch und Tier haperts da also auch gewaltig, wie der Experte berichtet.<\/p>\n<p><em>\u201ePrinzipiell ist es leider so, dass all jene die ohnehin mit den Hunden nicht ganz klarkommen, auch auf alle Sicherheitsvorschriften pfeifen. Man macht es sich so einfach wie nur m\u00f6glich, und das geht oft zu Lasten der Hunde. Die Hunde selbst sind so unterschiedlich, dass man durchaus sagen kann, es sind zwei Welten. Ein Mischling aus den \u201eoffenen\u201c Bereichen wird immer auf seinen Musher h\u00f6ren und die Kommandos umsetzen. Klar, die urspr\u00fcnglichen Rassen sind Jagdhunde, und die setzen eben Blind die Kommandos ihrer \u201eHerren\u201c um. Das hat sich auch bis in die Hunde im Schlittenhundebereich weiter vererbt. Dementsprechend sind sie auch relativ leichter zu handhaben. Aber, das bringt auch Nachteile mit sich. Man kann diese Hunde zu H\u00f6chstleistungen antreiben, die weit \u00fcber ihren Grenzen liegen. Dies f\u00fchrte schon oftmals zu brenzligen Situationen wie \u00dcberhitzung und Kreislaufproblemen. Ein Grund, warum die \u201eoffene\u201c Szene mit der 15 Grad Temperaturbeschr\u00e4nkung f\u00fcr Rennen antanzte und durchsetzte. Ein \u201eJagdhund\u201c wird laufen bis er tot umf\u00e4llt. Das wei\u00df in der Szene jeder der sich mit dem Sport besch\u00e4ftigt. Es liegt am Hundef\u00fchrer und der Hundef\u00fchrerin, die Hunde so zu bremsen das dies nicht geschieht. Doch hier setzt dann der falsche Ehrgeiz ein, man will ja unbedingt gewinnen. Bei den Nordischen Hunden schauts anders aus. Sie sind eher schwer zu Kontrollieren. Sitz, Platz und Fuss funktionieren bei diesen Hunden im Regelfall nicht. Das was sie jedoch blind umsetzen sind ihre Kommandos ab dem ber\u00fchmten \u201eGo!\u201c. Sie laufen und halten sich an die Richtungskommandes ihres \u201eMushers\u201c hinten drauf. Ein Nordischer wird jedoch trotzdem jedes Kommando hinterfragen, und denkt dar\u00fcber nach ob ihm die Ausf\u00fchrung nun etwas bringt oder nicht. Am Trail ist es im egal, hier geht\u2019s ums Laufen. Und das tun sie f\u00fcr ihr Leben gern. Ein Nordischer wird sich seine Kraft immer genau einteilen und dosieren wenn man ihn l\u00e4sst. Die Gefahr einer \u00dcberhitzung ist daher nur dann gegeben, wenn man auch hier aus falschen Ehrgeiz die Hunde antreibt und Leistungen abverlangt die f\u00fcr sie nicht nat\u00fcrlich sind. Im Normalfall geht das nicht, aber es gibt leider schon sehr viele Hunde, die durch Angst dazu getrieben werden. Es ist eben nicht alles Gold was gl\u00e4nzt. Auch wenn sich die Musher gerne als Superhundeliebhaber darstellen wollen. Es geht immer nur um Altmetall und Stockerlplatz.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wird auch noch immer \u00f6fter auf Asphalt gefahren (obwohl in \u00d6sterreich laut Tierschutzgesetz verboten!), seit neuestem Bei\u00dfk\u00f6rbe zugelassen (nicht auszudenken was passiert, wenn der Hund in vollem Lauf damit wo h\u00e4ngen bleibt!), und man schreckt nicht zur\u00fcck auch bei zum Beispiel den Bikes immer gef\u00e4hrlichere Dinge anzuwenden, wie die aufkommenden Klickpedale.<\/strong> <\/em><em><strong>Alles zusammen geht man schwer an die Grenzen, denen man Hunde aussetzen sollte. Ich sage immer: Wo der Ehrgeiz des Menschen einsetzt ist das Tier bereits fehl am Platz! Es m\u00fcsste viel mehr reglementiert UND eingehalten werden. Doch dazu ist man im Lande weder bereit, noch gewillt. Nach au\u00dfen hin wird zwar immer nur das Beste gezeigt und erz\u00e4hlt, doch innerhalb der Szene schaut es vollkommen anders aus\u2026\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Und genau hier findet sich auch in der Expertenmeinung detailliert das wieder, was ich eingangs schon kritisiert habe: mangelndes Vertrauen seinen Tieren gegen\u00fcber, welches wettgemacht wird durch eine Zwangsma\u00dfnahme, die ganz besonders im Schlittenhundesport nichts verloren h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Bei\u00dfk\u00f6rbe zeugen nur von einem: von der totalen Hilflosigkeit des Menschen und seiner gro\u00dfen Angst, ein Lebewesen nicht so unter Kontrolle zu haben, wie man es in der heutigen Zeit gerne h\u00e4tte. Hunde werden behandelt wie gef\u00e4hrliche Monster, die nichts Anderes im Sinn haben, als unentwegt aufeinander loszugehen, um sich gegenseitig zu t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Schwere Verletzungen sind aber gerade durch das Tragen von Bei\u00dfk\u00f6rben an der Tagesordnung. Welche aus tier\u00e4rztlicher Sicht bei einem Hunderennen strikt abzulehnen sind.<\/p>\n<p>Erstens werden Hunde, die eine hohe sportliche Leistung erbringen m\u00fcssen, stark behindert durch einen Bei\u00dfkorb. Er st\u00f6rt massiv beim Rennen. Die Atmung und besonders das lebenswichtige Hecheln f\u00fcr die W\u00e4rmeregulation werden dadurch beeintr\u00e4chtigt. Sogar der Laie wei\u00df, dass Hunde das Maul weit aufreissen m\u00fcssen, w\u00e4hrend sie hecheln. Dabei h\u00e4ngt die Zunge aus dem Maul heraus. Genau das ist mit Bei\u00dfkorb nicht m\u00f6glich und f\u00fchrt dadurch bestenfalls zu einer schlechteren Leistung, schlimmstenfalls zum Kreislaufkollaps oder Tod des Hundes.<\/p>\n<p>Zweitens sch\u00fctzt ein Bei\u00dfkorb nicht vor Raufereien. Im Gegenteil, dadurch k\u00f6nnen die Hunde sogar schwer verletzt werden. Ist er aus Metall, kann sich das Metall verbiegen und dem Hund Quetschwunden zuf\u00fcgen. Empfindliche Hundenasen k\u00f6nnen daran festfrieren, Schnee bleibt darin haften und verstopft die Luftzirkulation v\u00f6llig. H\u00e4matome sind m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Drittens k\u00f6nnen, und das ist wohl das Gef\u00e4hrlichste \u00fcberhaupt, die Hunde w\u00e4hrend der Fahrt mit dem Bei\u00dfkorb \u00fcberall h\u00e4ngenbleiben. Im schlimmsten Fall bedeutet das Genickbruch f\u00fcr das Tier. Bestenfalls bedeutet es hochgradige Verletzungen der Wirbels\u00e4ule und des Kopfes.<\/p>\n<p>Insgesamt findet also nicht wirklich ein Verbesserung im Sinne des Tierschutzes statt, sondern eher eine massive Verschlechterung.<\/p>\n<p>Gerade diese Entwicklung im Schlittenhundesport spiegelt ganz deutlich die Zeichen unserer Zeit wieder: alles dreht sich um Ruhm, Ehre, Geld und Prestige.<\/p>\n<p>An die, die das \u00fcberhaupt erm\u00f6glichen, denken dabei die Wenigsten.<\/p>\n<p>Den wenigen Mushern, die sich noch trauen, die Wahrheit zu sagen, h\u00e4ngt man ebenfalls gerne einen menschlichen Maulkorb um.<\/p>\n<p>Ein Armutszeugnis des Menschen, der zwar immer H\u00f6chstleistung, Aufmerksamkeit, Liebe und Vertrauen von seinem Hund erwartet, aber selbst nichts davon gibt.<\/p>\n<p>Herzlichst Bela Wolf,<\/p>\n<p>Tierarzt, Autor und Tiergesundheitsjournalist<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tierarztwolfblog.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\"><span style=\"color: #0066cc;\">https:\/\/tierarztwolfblog.wordpress.com<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mangelndes Vertrauen beim Hund (von TA Bela F. 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