{"id":154,"date":"2015-02-09T18:33:13","date_gmt":"2015-02-09T17:33:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.veigl.net\/blog\/?p=154"},"modified":"2015-11-01T09:07:51","modified_gmt":"2015-11-01T07:07:51","slug":"wikingers-weihnacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/?p=154","title":{"rendered":"Wikingers Weihnacht"},"content":{"rendered":"<p>Diesen Beitrag will ich Euch nicht vorenthalten! Durch Zufall in den Weiten des WWW gefunden, weil ich gerade mit &#8220;Surstr\u00f6mming&#8221;, dem schwedischen Gammelfisch besch\u00e4ftigt war. Hier etwas zu Essens-Hardcore\u00a0in Island:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3156693328_842f37557d_z.jpg\" rel=\"lightbox[154]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-155\" src=\"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3156693328_842f37557d_z-300x179.jpg\" alt=\"3156693328_842f37557d_z\" width=\"300\" height=\"179\" srcset=\"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3156693328_842f37557d_z-300x179.jpg 300w, https:\/\/www.veigl.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/3156693328_842f37557d_z.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"column-both\">\n<h2 class=\"article-title\"><span class=\"headline-intro\">Island:<\/span> <span class=\"headline\">Wikingers Weihnacht<\/span><\/h2>\n<p class=\"author\">Von Ralf Quibeldey<\/p>\n<p class=\"article-intro\"><strong>An Heiligabend g\u00f6nnen sich auch die Isl\u00e4nder etwas Gutes. Aber am Tag zuvor nehmen sie mit einem wunderlichen Mahl die Leiden Jesu vorweg: Gammelrochen, halb verwest und erb\u00e4rmlich stinkend. <\/strong><\/p>\n<p>In der Adventszeit liegt anderenorts der Duft von Zimt und Keksen in der Luft. In Isarfj\u00f6rdur im \u00e4u\u00dfersten Nordwesten Islands erf\u00fcllt bei\u00dfender Gestank die Wohnstuben. Es ist der Tag vor Weihnachten. Selbst Hafenmeister Halld\u00f3r Hermansson, gewiss nicht zimperlich, zuckt kurz mit der Nase, als er die Zutaten f\u00fcr sein Feiertagsmen\u00fc aus der Plastikt\u00fcte quillen l\u00e4sst. Und auch er zieht lieber Gummihandschuhe an beim Zubereiten seiner geliebten Delikatesse: halb verweste, br\u00e4unliche Fischplacken. Gammelrochen.<\/p>\n<div id=\"content_ad_1\" class=\"adition\" data-position=\"content_ad_1\">\n<div class=\"wrapad content_ad_1\">\n<div class=\"innerwrapad\">\n<div>Was jedem Festlandseurop\u00e4er den Magen umdreht, ist in Island schon seit Jahrhunderten weit verbreitete Sitte: Am Tag vor Weihnachten speist die ganze Familie &#8220;Kaest Skata&#8221;, fermentierten Rochen. Dabei ist der Fisch eigentlich hochgiftig, v\u00f6llig ungenie\u00dfbar, weil er, \u00e4hnlich wie der Hai, die Harns\u00e4ure nicht \u00fcber die Nieren ausscheidet, sondern im eigenen Fleisch ablagert. Irgendwann aber in Zeiten der Hungersnot muss ein Isl\u00e4nder mit der Todesverachtung eines Wikingers herausgefunden haben, dass man Rochen doch essen kann, wenn man ihn nur lange genug rotten l\u00e4sst.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Wenigstens vier Wochen brauchen die Giftstoffe, um sich im Aas zu verfl\u00fcchtigen. Ungeduld habe fr\u00fcher nicht wenige Menschen ins Grab gebracht, berichtet der \u00f6sterreichische Regierungsrat Joseph Calasang Poestion in seinem 1885 erschienenen Werk &#8220;Island &#8211; Das Land und seine Bewohner nach den neuesten Quellen&#8221;.<\/p>\n<p><b>Roher, wochenlang abgehangener und bestialisch stinkender Eishai<\/b><\/p>\n<p>Ohnehin haben die Isl\u00e4nder einen wundersamen Geschmack. Etwa das Fischgr\u00e4tenfrikassee: in saurer Molke aufgel\u00f6ste Kabeljaugr\u00e4ten, die so lange gekocht werden, bis ein dicker Brei entsteht. Oder der zehnagelharte Trockenfisch, den es an jeder Tankstelle als Snack zu kaufen gibt, gleich neben den Schokoriegeln. Nicht zu vergessen: sauer eingelegter Walspeck, ein beliebtes zweites Fr\u00fchst\u00fcck. Sprachlos staunt der Island-Besucher \u00fcber jene wei\u00dflichen, glibschig-speckigen W\u00fcrfel, die sich die Einheimischen wie Gummib\u00e4rchen im halben Dutzend aus Plastikbechern fingern: roher, wochenlang abgehangener und bestialisch stinkender Eishai. Sehr gut f\u00fcr die Verdauung, hei\u00dft es. Mit nichts zu vergleichen allerdings ist der Gammelrochen. Ein Wintergericht, wie hier zu Lande Gr\u00fcnkohl. Nun, ein bisschen gr\u00fcnlich ist der Fisch mit der Zeit ja auch geworden.<\/p>\n<p>Halld\u00f3r kriegt seinen immer geschenkt. Die Rochen gehen den Fischern als Beifang ins Netz und meist gleich wieder \u00fcber Bord. Sind ja schlie\u00dflich giftig. Aber jetzt, in der Vorweihnachtszeit, bringen die Fischer schon einmal einen Eimer voll mit. Die Zubereitung ist denkbar simpel: den Fisch im Bottich verenden lassen, dann bei konstanter Temperatur lagern. Nicht w\u00e4ssern, nicht umschichten, Katzen und Kinder fern halten. Als Hafenmeister kennt Halld\u00f3r nat\u00fcrlich einen Ort, an dem die olfaktorischen Begleiterscheinungen des Zersetzungs- und Fermentierungsprozesses geduldet werden. In der kleinen Fischfabrik von Freunden kann er seinen Rochen verwesen lassen, ohne dass der Familienrat oder Nachbarn mit Protest und Pr\u00fcgel drohen. Nach vier, f\u00fcnf Wochen ist die Delikatesse reif.<\/p>\n<p><b> R\u00e4tselhaftes Inselvolk<\/b><\/p>\n<p class=\"article-intro\">Halld\u00f3rs Augen gl\u00e4nzen voller Vorfreude, als er das welke Fleisch auf den Metalltisch glitschen l\u00e4sst, an dem sonst im Akkord Dorsch und Schellfisch seziert werden. Mit der Kneifzange rei\u00dft er die warzige Rochenhaut herunter. In der heimischen K\u00fcche kocht Halld\u00f3r dann den Gammelrochen in Salzwasser weich und schiebt das wei\u00dfe Fleisch von den Knochenplatten. Der Gestank ist infernalisch. Das Erhitzen setzt Ammoniak in solchen Mengen frei, dass der um Atem ringende Besucher nachzusinnen beginnt, ob Island je die Haager Landkriegsordnung f\u00fcr die \u00c4chtung von Gas ratifiziert hat.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes verr\u00fchrt Halld\u00f3r Hermansson den Rochenbrei mit ausgelassenem Schafsfett zu einer z\u00e4hen, wei\u00dfen Paste. W\u00fcrzen? Nicht n\u00f6tig, allenfalls ein bisschen Salz. Nun die Probe. &#8220;Streng&#8221; ist kein Ausdruck f\u00fcr dieses Aroma. Tischtuchbleich und der Ohnmacht nahe, k\u00e4mpft der Weihnachtsgast mit sich. Der Anstand gebietet, ein paar Happen mitzuessen. Die Nase verlangt, sofort das Haus zu verlassen. Wie in drei Teufelsrochen Namen k\u00f6nnen sich die Isl\u00e4nder nur daf\u00fcr begeistern? R\u00e4tselhaftes Inselvolk.<\/p>\n<p>Halld\u00f3r indes hat von seiner gesunden Gesichtsfarbe nichts eingeb\u00fc\u00dft. &#8220;Sch\u00f6n scharf&#8221;, schw\u00e4rmt er; er mag es, wenn es in der Kehle richtig brennt. Fr\u00f6hlich prostet er seiner Frau zu &#8211; mit Milch, nicht etwa mit Schnaps, vielleicht um den Magen zu stabilisieren. Als Verdauungshilfe fehlte jetzt nur noch ein St\u00fcck Eishai. Na dann, fr\u00f6hliche Weihnachten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Na dann &#8230; ich w\u00fcrde verhungern!!<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Beitrag will ich Euch nicht vorenthalten! Durch Zufall in den Weiten des WWW gefunden, weil ich gerade mit &#8220;Surstr\u00f6mming&#8221;, dem schwedischen Gammelfisch besch\u00e4ftigt war. Hier etwas zu Essens-Hardcore\u00a0in Island: &nbsp; Island: Wikingers Weihnacht Von Ralf Quibeldey An Heiligabend g\u00f6nnen sich auch die Isl\u00e4nder etwas Gutes. 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