{"id":27489,"date":"2019-03-27T18:14:08","date_gmt":"2019-03-27T16:14:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/?p=27489"},"modified":"2019-10-06T10:22:53","modified_gmt":"2019-10-06T08:22:53","slug":"sozialkontakt-%e2%88%92-ist-der-hund-kein-rudeltier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.veigl.net\/blog\/?p=27489","title":{"rendered":"\u00abSozialkontakt\u00bb \u2212 Ist der Hund (k)ein Rudeltier?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:10px\">Text: Roman Huber<br \/>Quelle: http:\/\/hundemagazin.ch\/sozialkontakt-%E2%88%92-ist-der-hund-kein-rudeltier-2\/ <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ein Hund braucht viel Sozialkontakt mit Artgenossen, h\u00f6rt man \nimmer wieder. Doch Achtung, der Hund ist eigentlich kein Rudeltier: Sein\n wichtigster Sozialkontakt ist der Mensch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sozial sein ist etwas Tugendhaftes. Es wird dem Hund quasi in die \nWiege gelegt. Den ersten Sozialkontakt erlebt er im Leib der \nMutterh\u00fcndin und danach im Wurf, im \u00abFamilienrudel\u00bb. Dort findet ein \nwesentlicher Teil der Sozialisierung statt. Wird ein Welpe zu fr\u00fch aus \ndem Wurf herausgenommen, f\u00fchrt es allenfalls zu Defiziten im \nSozialverhalten, weil gewisse Fertigkeiten nicht oder ungen\u00fcgend \nausgebildet sind. Im Lebensalltag wird das soziale Verhalten verfeinert \nund gef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Hund \u2013 ein \u00absemi-solit\u00e4res\u00bb Lebewesen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das menschliche Denken \u00fcber den Hund ist noch mit dem Wolfsmythos und\n Rudelvorstellungen behaftet. In der Realit\u00e4t leben Hunde einzeln, zu \nzweit oder dritt, selten in Gruppen \u2013 bei uns in Mitteleuropa im \nHaushalt, in anderen L\u00e4ndern auf der Strasse. Sehr selten teilen sie ihr\n Leben im Rudel, das heisst im Verbund verwilderter Haushunde, die sich \nzusammengefunden haben (\u00abDie Pizza-Hunde\u00bb von G\u00fcnther Bloch, \nKosmos-Verlag).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Hundepl\u00e4tzen werden immer noch verschiedenste \u00dcbungen in der \nGruppe kreiert, die zur Sozialisierung dienen sollen: Da werden Hunde \nnebeneinander ins Platz oder Sitz kommandiert, damit ein Artgenosse an \nkurzer Leine von Herrchen oder Frauchen an seinesgleichen vorbeigef\u00fchrt \nwerden kann. Und manchmal heisst es am Schluss der Stunde zur \nvermeintlichen Freude der Vierbeiner \u00abLeinen los\u00bb. All das hat mit \nsozial, Sozialisierung oder Alltagstauglichkeit wenig bis nichts zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Wort \u00absozial\u00bb stammt vom Lateinischen \u00abgemeinsam\u00bb ab und bedeutet\n so viel wie h\u00f6flich, r\u00fccksichtsvoll, hilfsbereit. Diese Eigenschaften \nfinden sich in den Erbanlagen des Hundes, denn er gilt als hoch soziales\n Tier, was Forschung und Wissenschaft mehrfach bewiesen haben. Die \nEvolution vom Wolf zum Haushund l\u00e4sst den Schluss zu, dass der Mensch \nf\u00fcr ihn durch die Domestikation zum wichtigsten Sozialkontakt geworden \nist. Wissenschaftliche Versuche haben belegt, dass Hunde zuerst den \nKontakt zum Menschen suchen, nicht zum Artgenossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie viel Sozialkontakt mit Artgenossen braucht aber ein Hund? Laut \nFachleuten h\u00e4ngt es von verschiedenen Faktoren wie Erfahrungen, Umgang \nund Erziehung, Charakter\/Wesen, Genetik, Rasse oder auch vom Alter ab, \nob ein Hund mit Artgenossen in Kontakt treten m\u00f6chte oder lieber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abJetzt geh dich sozialisieren\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen haben zuweilen seltsame Vorstellungen von Sozialkontakt f\u00fcr \nihren Hund: Treffen zwei Hundehalter aufeinander, heisst es vielfach \n\u00abableinen\u00bb \u2013 egal, welcher Hund mit welchem und wie viele, ob sie \neinander m\u00f6gen oder nicht. Schliesslich haben sie miteinander \nherumzutollen, worunter man Spielen versteht. \u00abJetzt geh dich \nsozialisieren\u00bb, sagt der Mensch und vergisst, wie er selber \nSozialkontakt pflegt: Mit ausgew\u00e4hlten Personen, per Internet\/Telefon, \nAugenkontakt, freundlichem Ansprechen, H\u00e4ndesch\u00fctteln, bis es zum \nGespr\u00e4ch kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Hunden erfolgen Sozialkontakte zuerst auf Distanz \u00fcber die \nWahrnehmung durch Geruch, Sicht oder Geh\u00f6r, bis es zu einem Kontakt \nkommt. Viele Hunde gingen einem Artgenossen aus dem Wege, wenn sie nicht\n vom Menschen daran gehindert w\u00fcrden. Auch die Meinung, besonders Welpen\n oder Junghunde sollten viel Kontakt zu ihresgleichen haben, ist \nirref\u00fchrend (lesen Sie dazu den Beitrag von Ute Blaschke-Berthold \n\u00abWelpenspielgruppen aus verhaltensbiologischer Sicht\u00bb auf \nwww.hundemagazin.ch). Im Welpen- und Junghundalter ist der Aufbau einer \nguten Beziehung zum Menschen oder der angemessene Kontakt mit \nerwachsenen Hunden wichtiger als das Herumtollen mit Altersgenossen. Und\n das, was vermeintlich als Spiel gilt, ist vielfach Ein\u00fcben von \nFertigkeiten wie Jagen, Treiben und H\u00fcten, die in der Gesellschaft meist\n unerw\u00fcnscht sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sozialkontakt mit einem anderen Hund macht Sinn, wenn dieser h\u00f6flich \nund r\u00fccksichtsvoll erfolgt. Darum muss er auf Freiwilligkeit basieren. \nHunde sollen nicht zum Kontakt gezwungen werden, wenn der Versuch eher \nzum Scheitern verurteilt ist. Wenn Hunde sich kennen, Vertrauen haben \nund einander wohlgesinnt sind, k\u00f6nnen Sozialkontakte wertvoll sein. \nManche Hunde brauchen das aber nicht, was keineswegs bedeutet, dass sie \nasozial sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sozialspazierg\u00e4nge sind nicht unbedingt sozial<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angebote f\u00fcr Sozialspazierg\u00e4nge werden vorg\u00e4ngig besser gepr\u00fcft: \nSollen Erfahrung und Lerneffekt gut sein, brauchen Hunde so viel Distanz\n und Zeit, dass es ihnen wohl ist. Vielleicht braucht es zu Beginn 30 \nMeter oder mehr. Bei Sozialkontakten muss es dem Hund m\u00f6glich sein, dass\n er sich selber herausnehmen kann und nicht durch Zwang oder kurze Leine\n in der Situation blockiert wird. Sein Ausdrucksverhalten zeigt dem \nHalter, wenn er ihm dabei helfen oder die Lage entsch\u00e4rfen muss. Darum \ngilt es immer, die Beobachtungsf\u00e4higkeit zu schulen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Massvolle Sozialkontakte, bei denen Hunde auch nebeneinander hergehen\n oder schn\u00fcffeln k\u00f6nnen, sind wertvoller als Rennspiele. Treten nur zwei\n Hunde in Kontakt, so ist f\u00fcr sie die Situation besser absch\u00e4tzbar als \nwenn drei oder mehrere aufeinandertreffen. Intensive Kontakte erfordern \nzudem eine l\u00e4ngere Ruhephase. Darum ben\u00f6tigen Hunde nicht t\u00e4glich \nereignisreiche Kontakte. Im Gegenteil: Finden solche zu h\u00e4ufig statt, \nkann ein Hund durch den wiederkehrenden Stress gesundheitlich Schaden \nnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vorsicht, \u00abRaufergruppen\u00bb und \u00abRudeltreffen\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Hund wird sozial reifer, wenn er durch positive Erfahrungen \nlernt. Bei Angeboten von Raufergruppen f\u00fcr verhaltensauff\u00e4llige Hunde \nist Vorsicht geboten. Wenn die Sicherheit gew\u00e4hrt (Leine, Maulkorb) und \nder Stress nicht zu gross ist, kann allenfalls, angeleitet von einer \nversierten Trainerperson, ein Verhalten umgelenkt oder ein \nAlternativverhalten gelernt werden. Es w\u00e4re jedoch vermessen zu glauben,\n aggressive Hunde k\u00f6nnten sich gegenseitig therapieren. Noch heikler \nwird es, wenn der Mensch den Hund dabei auch noch diszipliniert \n(bestraft), Leinenkorrektur (-ruck) oder andere aversive Mittel einsetzt\n oder wenn Hunde mit Gegenst\u00e4nden beworfen, mit Stangen oder \nhandgreiflich getrennt werden m\u00fcssen, damit eine Eskalation verhindert \nwird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch bei sogenannten \u00abRudeltreffen\u00bb ist Vorsicht am Platz. Wenn sich \nbis zu zwei Dutzend Hunde, die sich kaum kennen, auf eingez\u00e4untem \nTerrain miteinander bewegen m\u00fcssen, sieht es vielleicht harmlos aus. Das\n ist es aber nicht f\u00fcr jene Hunde, die sich dabei unwohl oder bedroht \nf\u00fchlen, gar attackiert oder gemobbt werden. Da werden nebst Angst \nFlucht-, Verteidigungs- oder \u2013 wenn alles nicht fruchtet \u2013 \nAngriffsstrategien erlernt. Beissvorf\u00e4lle passieren oft erst danach, \nwenn sich der aufgestaute Stress entl\u00e4dt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nirgendwo auf der Welt w\u00fcrden sich Hunde freiwillig zu  Massenveranstaltungen oder Sozialisierungs\u00fcbungen treffen. H\u00e4tten sie  die freie Wahl, w\u00fcrden sie einen grossen Bogen darum herumlaufen. Genau  das ist der Punkt, bei dem wir Menschen vom Hund lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:10px\">Text: Roman Huber<br \/>Quelle: http:\/\/hundemagazin.ch\/sozialkontakt-%E2%88%92-ist-der-hund-kein-rudeltier-2\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text: Roman HuberQuelle: http:\/\/hundemagazin.ch\/sozialkontakt-%E2%88%92-ist-der-hund-kein-rudeltier-2\/ Ein Hund braucht viel Sozialkontakt mit Artgenossen, h\u00f6rt man immer wieder. Doch Achtung, der Hund ist eigentlich kein Rudeltier: Sein wichtigster Sozialkontakt ist der Mensch. Sozial sein ist etwas Tugendhaftes. Es wird dem Hund quasi in die Wiege gelegt. 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