Hundeboxen im KFZ, sicher oder nur Geldmacherei?

Hundeboxen im KFZ, sicher oder nur Geldmacherei?

Updated: 2. März 2017


 

 

Heute fing ich eine Diskussion über Hundeboxen im KFZ an. Der Grund war eigentlich banal, und hatte mit den Boxen an sich gar nichts zu tun. Ich hatte nur über meinen Renault Espace 4 folgendes gelesen:

“Verstärkte Rückenlehnen verhindern, dass Gepäckstücke in den Passagierraum eindringen. Sie halten bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 50 km/h der Wucht von zwei 18 Kilogramm schweren Gegenständen stand.”

Ich hatte meine beiden Hunde immer im Kofferraum, ohne Box. Mit Geschirren an und an zwei Ketten gesichert. So konnten sie nicht im Fahrzeug herumspringen, und auch im Falle der Öffnung der Heckklappe nicht unvorhergesehen rausspringen. Laut Polizei bei unzähligen Verkehrskontrollen, war damit auch die Vorschrift zur “Ladungssicherung” Genüge getan. So weit so gut.

Wenn ich mir nun die Werte oben so betrachte, und ich mir meine Sitze vor Augen halte, komme ich ins Nachdenken. 50km/h sind ja nicht gerade schnell. Zwei Mal 18kg sind nicht viel. Nun, ein Husky schafft das Gewicht gerade noch, doch ich hatte ein Mützenmädl mit 35kg und einen Riesenhusky mit 45kg im Kofferraum. Zusammen also 80kg Lebendmasse. Die wären also im Falle eines Crashs durch die Sitze durchgeflogen wie Betonklötze wenn man den Angaben traut. Ob die Geschirre und Ketten gehalten hätten, ich bezweifle es. Was ich aber mittlerweile probiert und nicht geschafft habe: Ich konnte keinen der Sitze aus den Halterungen treten, auch nicht mit größter Anstrengung!

 

Doch kommen wir nun zu den Hunderückhaltesystemen und -boxen:

Es gibt ja verschiedene Ausführung von Hunderückhaltesystemen. Es fängt bei vollkommen wertlosen Netzen an, die hinten gespannt werden. Danach folgen diese Klemmstangen an denen ein paar Querstreben den Hund am nach vorne kommen hindern sollen. Auch Fixgitter zwischen zweiter Sitzreihe und Kofferraum gibt es. Alles wertlos, wenn man sich die Kräfte vor Augen führt, die bei einem Unfall mit höheren Geschwindigkeiten auftreten. Die Tiere werden zu Geschossen, die durch den Wagen nach vorne fliegen.

Dann gibt es diese Hundeboxen die in diversesten Ausführungen (aus Kunststoff, aus Alu, aus Stahlgittern, etc.) angepriesen und verkauft werden. Ich kenne einige Boxen von diversen “Futterhäusern” in Wien und Umgebung und habe mir oftmals schon solche Boxen angesehen. Auch jene, die Freunde von mir oder auch Mitglieder des Vereins in ihren Autos verbaut haben. Und da kommen nun folgende Fragen auf:

  1. Wie belastbar ist die RÜCKSEITE dieser Hundeboxen? Das ist genau jene Seite, die im Crashfall die Hunde mit der gesamten Aufprallwucht zurückhalten sollte!
  2. Wie werden die Boxen im Wagen montiert?
  3. Komme ich trotz Hundebox an alle im Wagen notwendigen Ablagefächer und das Reserverad ran?

 

Und jetzt beginnts zu hapern!

Zu 1.: KEINER der von mir befragten Hersteller konnte oder wollte Angaben über die Belastbarkeit der Boxenrückwände sagen! Kurz gesagt, es wusste niemand, oder die Boxen halten nichts aus und das soll möglichst nicht gesagt werden, weil man sich auf die Sitzreihe gleich im Anschluss verlässt. Nur was, wenn diese auch nicht viel aushält? Was ist mit sogenannten Selbstbauboxen? Wie wird hier die Festigkeit festgestellt und gemessen? Alles nur auf “wird schon halten” Prinzipien aufgebaut?

Zu 2.: Der Großteil der Boxen wird meist nur hinten hineingestellt. Einige fixieren sie mit Spannbändern. Ganz wenige werden mit der Karosserie verbunden. Die Schwachstelle ist hier klar. Die nur reingestellte fliegt samt Hunden durch den Wagen. Bei Befestigungsmöglichkeit 2 und 3 kommt wieder die Rückwand ins Spiel. Was hält sie aus?

Zu 3.: Eine nur reingestellte Box kann im Falle des Bedarfs, wenn man in die Ablagen muss, schnell mal aus dem Auto genommen werden. Ob das zusammen mit dem Hund so leicht ist stellt sich spätestens dann heraus wenn man es machen muss. Den Hund herausnehmen und wo anbinden? Ein NoGo. Bei verzurrten und fix eingebauten Boxen wird’s natürlich noch schwieriger! Ob es erlaubt ist, zum Beispiel das Reserverad und Werkzeug damit zu verdecken, weiß ich nicht. Aber auch da werde ich nachfragen und mich erkundigen.

 

Der kurze Test:

Ich habe mir eine Alu-Hundebox die über Amazon verkauft wird besorgt (Hat jemand ohnehin entsorgt, somit war sie gratis. Danke dafür!). Mit einem leichten Tritt durch die Box durch, waren die Streben und die Rückwand aus der Box rausgetreten. Rückhaltevermögen genau NULL! Bei den Plastikboxen denk ich mir, braucht man gar nicht probieren, die zerlegen sich schon beim Anschauen. Darin kann man maximal eine Katze verwahren. Selbst die bei Freßnapf & Co verkauften Aluboxen die zwar massiv und gut ausschauen, spielen wahrscheinlich definitiv die Verbindungsstücke aus Kunststoff nicht mit! Und überall gibt es keine Angabe auf meine Frage: “Welche Werte gibt es für die Festigkeit der Rückseite im Crashfall?” !!

 

Ich lasse jetzt mal die Frage “Sicher oder Geldmacherei” offen und werde hier weiter berichten …

 

Hier noch ein paar Links zum gleichen Thema:

http://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/themen/umwelt-und-verkehr/auto-hundeboxen-im-crashtest

http://www.mabo-hundeboxen.ch/2016/11/23/auto-hundeboxen-im-crashtest/

http://www.hundetransportboxtest.net/

https://www.adac.de/infotestrat/ratgeber-verkehr/sicher-unterwegs/vierbeiner-an-bord/

(Ihr werdet aber nirgends Angaben zur Festigkeit der Boxen finden. Im Prinzip ist es meist Eigenwerbung der diversen Hersteller.)