Angeleint und trotzdem happy

Ein wirklich gut geschriebener Artikel, den ich auf Facebook (öffentlich) auf der Seite José Arce, Mensch- Hund- Therapeut gefunden und gelesen habe, den die Unbelehrbaren und Unverbesserlichen (beider Geschlechter) hier bei uns einmal lesen sollten! Danach sollten genau diese Personen einmal über ihr asoziales Verhalten anderen Hundehaltern und -halterinnen gegenüber nachdenken …

Quelle: https://www.facebook.com/jose.arce.9216

Angeleint und trotzdem happy 🐾🐾🐾🐾

Wenn der Hund an die Leine muss, haben viele Halter gleich ein schlechtes Gewissen, weil sie das Gefühl haben, seine Freiheit zu beschränken. Dabei kann ein Hund auch angeleint viel Spaß mit seinem Menschen haben. Worauf es ankommt, erklärt José Arce.

Letztens habe ich einfach einmal meine Freunde und Bekannten gefragt, wie für sie der perfekte Spaziergang aussieht. Die häufigste Antwort: Man geht in schöner Natur Gassi, der Hund springt frei nebenher, tobt sich aus und freut sich seines Lebens, während man selbst die Natur genießt und entspannt. Eine Leine kommt dabei so gut wie nie vor. Und wenn ich nachfrage, warum, stellt sich schnell heraus, dass sich die wenigsten vorstellen können, ein Hund könnte sich gut fühlen, wenn er an der Leine neben uns herlaufen muss. Denn die Leine bedeutet für sie das Gegenteil von Freiheit, Unbeschwertheit und Glück. Ich finde es wirklich schade, dass die Leine unter Hundehaltern so ein schlechtes Image hat. Deshalb hoffe ich wirklich, dass ich ein Stück dazu beitragen kann, dass Sie sie als nützliches Werkzeug sehen, das Ihnen hilft, die Verbindung zu Ihrem Hund noch zu stärken. Es ist nämlich überhaupt nicht so, dass sich Ihr Hund automatisch nur dann frei fühlt, wenn er ohne Leine laufen darf. Er fühlt sich dann frei, wenn er sich keinen Kopf machen muss. Freiheit bedeutet für ihn in erster Linie frei sein im Kopf. Und das kann er nur, wenn er merkt, dass Sie die Verantwortung übernehmen und er nichts anderes zu tun hat, als Sie zu begleiten. Die Leine ist das perfekte Signal dazu.

Coole Verbindung statt lästiger Einschränkung

Ganz abgesehen davon leben die meisten Hunde heute in einer Umgebung, in der sie zumindest zeitweise angeleint werden müssen. Ich rate daher jedem Hundebesitzer, seinem Vierbeiner von Anfang an zu zeigen, wie das An-der-Leine- Laufen richtig funktioniert. Dann ist es für ihn bald etwas ganz Natürliches und bleibt es auch sein Leben lang. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass die Leine etwas Gutes ist, ein optisches Signal dafür, dass er beim Gassigehen entspannen kann und sich an Ihrer Seite sicher fühlen kann. Die Leine ist ein Band, das Sie beide miteinander verbindet. Keine Strafe! Viele Hundebesitzer befürchten, dass ihr Hund es ihnen übel nimmt, wenn sie ihn mitten im Spiel mit anderen Hunden zu sich rufen und anleinen. Sie sind auch der Meinung, dass die Leine dadurch für den Hund negativ belegt würde, weil sie ihn daran hindert, weiter vergnügt herumzuhüpfen. Ich finde, das ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sehr wir unsere Hunde unbewusst vermenschlichen. Tatsächlich ist es nämlich so, dass wir selbst mit der Leine Unfreiheit assoziieren. Wenn die Beziehung stimmt, macht es dem Hund überhaupt nichts aus, neben uns herzulaufen. Im Gegenteil, er genießt es sogar, weil es seiner Natur entspricht, uns zu begleiten. Wenn die Sprache dann aufs Gassigehen kommt, fällt mit 99-prozentiger Sicherheit kurz darauf auch das Wort „Leine“. Manchmal habe ich fast das Gefühl, die Leine ist unter Hundehaltern der umstrittenste Gegenstand, den man überhaupt kaufen kann. Denn in vielen Köpfen geistert das Trugbild herum, dass nur ein Hund, der frei und unabhängig ist, ein glücklicher Hund ist. Während die armen Artgenossen an der Leine quasi ein Leben in Gefangenschaft fristen. Dabei ist die Leine an sich auf gar keinen Fall ein Weg der Bestrafung, im Gegenteil. Genauso wenig ist ein Hund frei, bloß weil er ohne Leine läuft. In einem eingespielten Team hält er sich an die Abmachungen mit seinem Menschen.

Alles eine Frage der Einstellung und des Timings

Die Leine ist ein hilfreiches Mittel, um eine Verbindung zwischen Hund und Mensch zu schaffen. Dementsprechend sollte man sie natürlich nicht dazu benutzen, den Hund zu maßregeln oder wie verrückt an ihr herumzureißen. Genauso wenig wie sie dazu da ist, sich an ihr festzuhalten und sich von seinem Hund durch die Gegend ziehen zu lassen. Wenn ein Hund schlecht an der Leine geht, ist das ein eindeutiges Signal dafür, dass der Mensch keine Führung hat. Dass Sie Ihren Hund an der Leine führen können, müssen Sie ihm durch Ihre innere Einstellung und Ihr Selbstbewusstsein zeigen. Sofern Ihr Hund das akzeptiert, wird er glücklich hinter oder neben Ihnen laufen.Wenn Ihr Hund Sie respektiert, können Sie die Leine locker in der Hand halten, so wie eine Frau eine Handtasche trägt. Die Leine dient lediglich dazu, das Band, das zwischen Mensch und Hund besteht, auch nach außen sichtbar zu machen und die Richtung zu zeigen, in die es gehen soll. Übrigens kann man an der Reaktion des Hundes direkt sehen, ob man tatsächlich ruhig und sicher führt. Er läuft dann nämlich auch wirklich perfekt an der Leine. Das ist das Zeichen dafür, dass Sie es richtig machen. Ich will hier nicht außer Acht lassen, dass die Leine, sofern wir sie falsch einsetzen, für den Hund durchaus etwas Negatives ist. Das liegt sehr oft daran, dass wir ihn im falschen Moment an die Leine nehmen. Wenn Sie zum Beispiel zum Gassigehen aufbrechen wollen und der Hund ist aufgeregt, ist das nicht der richtige Zeitpunkt, ihn anzuleinen. Denn dann bedeutet die Leine ebenfalls nur Aufregung. Und die nimmt der Hund mit auf die Straße, wo er dann vermutlich zieht.

Wenn Ihr Hund aufgeregt und nervös ist, warten Sie auch hier ab, bis er sich beruhigt hat. Schimpfen Sie nicht mit ihm und werden Sie keinesfalls selbst ungeduldig, das schürt den Konflikt nur zusätzlich. Warten Sie, bis er ruhig geworden ist. Nun können Sie ihn an die Leine nehmen. Sollte er wieder nervös werden, warten Sie erneut, bis er ruhig ist. Erst dann verlassen Sie das Haus. Wiederholen Sie das ruhig mehrmals täglich, auch wenn Sie draußen nur ein paar Meter miteinander laufen. Nehmen Sie sich Zeit und verlieren Sie nicht die Geduld. Gerade wenn sich Fehler schon vor längerer Zeit eingeschlichen haben und falsches Verhalten zur Gewohnheit geworden ist, dauert es manchmal, alles wieder glattzubügeln.

Die Leine ist, was Sie daraus machen

Ein junger Hund weiß natürlich erst einmal nicht, was eine Leine ist. Er wird sie vielleicht als Spielzeug ansehen und auf ihr herumkauen. Dulden Sie das nicht, und das meine ich ernst. Die Leine ist die Verbindung zwischen Ihnen beiden und kein Spielzeug. Zeigen Sie das Ihrem Hund, indem Sie ihn an die Leine nehmen und tolle Dinge mit ihm machen: spielen (aber eben nicht mit der Leine als Spielzeug), auf eine Wiese gehen, füttern … Ein älterer Hund hat bisher vielleicht nicht erlebt, dass die Leine etwas Gutes ist. Dann muss man ihm das genauso erst zeigen – indem man die Leine immer mit schönen Sachen verbindet, so wie man es mit einem Welpen tun würde. Auf diese Weise lernt der Hund die neue Bedeutung der Leine. Möglicherweise flippt der Hund ja schon aus, wenn er die Leine nur sieht, also lange bevor Sie überhaupt zum Gassigehen aufbrechen. Wenn der anschließende Spaziergang genauso unentspannt ist wie das Theater davor, sollten Sie etwas ändern. Alles, was Sie mit Ruhe machen, wird Ihr Hund ebenfalls mit Ruhe assoziieren.

▷ In aller Ruhe starten
Wenn Sie aufbrechen, sollte das abermals völlig unaufgeregt geschehen, sonst nehmen Sie die Unruhe mit auf die Straße.

▷ Schöne Dinge machen
Ihr Hund lernt am schnellsten, dass die Leine nichts Schlechtes ist, wenn Sie etwas Schönes mit ihm machen. Sie können ihn streicheln, mit ihm spielen oder etwas zu fressen geben. Die Leine halten Sie locker in der Hand. Sie ist einfach da – und ganz normal. Sie gehört zu Ihnen und damit auch zu ihm.

▷ Die Welt zusammen entdecken
Suchen Sie sich interessante Ziele aus. Damit meine ich, gehen Sie zusammen kreuz und quer in einer Einkaufspassage Schaufenster bummeln oder besuchen Sie ein unbekanntes Stadtviertel – das ist für beide neu und interessant.

▷ Die Leine „überkreuz“ tragen
Um sich bewusst zu machen, dass die Leine nicht dazu da ist, den Hund zu stoppen, empfehle ich häufig, sie wie eine Tasche schräg über die Schulter zu tragen. Vor allem aber kann man dann nicht an der Leine ziehen.

▷ Die Richtung anzeigen
Ich betrachte die Leine gern als verlängerte Hand des Menschen. Mit ihr können Sie dem Hund in jeder Situation ohne viele Worte anzeigen, wohin es geht beziehungsweise wo er gehen soll. Wichtig ist auch hier, dass die Leine nicht straff gespannt ist, sondern locker, aber eindeutig in die gewünschte Richtung zeigt.

▷ Mit der Leine absichern
Auf unsicherem Grund wie z. B. einer Holz- oder Eisentreppe, leite ich meine Hunde mit der kurzen Leine – von Stufe zu Stufe. Anderenfalls würden sie mir einfach irgendwie hinterher trotten und sich möglicherweise in den Spalten verletzen. Mein Tipp: Stellen Sie sich vor, Ihr Hund wäre eine Marionette, die Sie an einem unsichtbaren Faden über die Hindernisse lenken. Das macht es leichter.

▷ Die Straßenseite wechseln
Auf der Straße ist es am sichersten, wenn Ihr Hund an Ihrer rechten Seite läuft. Will er eigenständig die Seite wechseln, bleiben Sie stehen, nehmen den Arm nach rechts vorn und leiten ihn hinter Ihrem Rücken nach rechts. Ziehen Sie nicht, sondern warten Sie, bis der Hund das Signal versteht. Dann gehen Sie gemeinsam weiter.

Spaß haben geht auch mit Leine!

▷ Verstecktes wiederfinden Besonderen Spaß haben Hunde, wenn sie mit der Nase arbeiten dürfen, also nutzen Sie den Hinweg Ihres Spazierganges, um unbemerkt Leckerlis zu verstecken. So wird dann der Rückweg besonders interessant. Dann kann Ihr Liebling mal zeigen, wie gut seine Nase ist, und Sie können gerne ein bisschen Hilfestellung geben, indem Sie Ihren Hund mit der Leine in die richtige Richtung lenken und ihm so helfen, wenn ein Versteck übersehen wurde.

▷ Eine besondere magische Pause einlegen Vergessen Sie nicht, dass es wichtig ist, die Leine für Ihren Hund mit Ruhe zu verbinden. In einer Pause beim Spaziergang und an einem schönen Platz machen Sie die Leine nicht ab. Setzen Sie sich auf den Boden und bleiben Sie ruhig, ohne mit Ihrem Hund zu sprechen oder ihn zu berühren. Sie werden sehen, schon nach kurzer Zeit kommt er zu Ihnen. Wenn auch er völlig ruhig ist und sich hingelegt hat, nehmen Sie die Leine ab, nun können Sie schmusen, streicheln usw., alles was beiden gefällt. Nun sind Sie eins und auf gleicher Wellenlänge.

▷ Gemeinsam toben In vielen Situationen ist es nicht möglich, unseren Hund von der Leine zu lassen. Das sollte Sie aber nicht abhalten, gemein- sam mit Ihrem Hund an der Leine zu toben und mit ihm zu rennen. Auch angeleint haben Sie so gemeinsam viel Spaß.

Nachteile einer langen Leine

Immer wieder höre ich, man solle Welpen oder Hunde, die viel ziehen oder sich nicht einwandfrei (oder gar nicht) abrufen lassen, an der Schlepp- oder Flexi-Leine ausführen. Dann könnten sie einerseits „frei“ herumstöbern, andererseits hätte man jedoch stets die Kontrolle und es bestünde jederzeit dieMöglichkeit, sie zurückzuholen. Ich selbst würde so eine Leine nicht empfehlen. Ist der Hund noch jung, zerstört man den „Folgeinstinkt“, wenn er zu viel eigenständig herumstöbern darf. Und der ältere Hund kann nur lernen, bei seinem Frauchen oder Herrchen zu laufen, wenn die währenddessen die Kontrolle übernehmen und der Hund sich darauf konzentriert, bei ihnen zu sein. Die lange Leine verhindert das eher. Ich würde sie daher allenfalls in der Pause beim Spaziergang benutzen, wenn das Gelände nicht sicher ist. Auch das Kommen lernen Hunde nicht dadurch, dass man sie an der langen Leine zurückzieht. Alles was Sie ihm damit beibringen, ist, dass die Leine etwas Unangenehmes ist.

Die Leine ist auch eine Frage der Sicherheit

Natürlich erfüllt die Leine auch den Zweck, den Hund zu sichern. Gerade im Welpenalter, wenn er noch nicht so viel erlebt hat, werden Sie immer wieder in Situationen geraten, die ihn möglicherweise erschrecken, sei es, weil das Moped neben Ihnen eine Fehlzündung hat oder eine Horde kreischender Teenager den Gehweg blockiert oder ein unerzogener Artgenosse ihn angehen will … Ohne Leine würde er in so einem Fall vielleicht panisch wegrennen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was geschähe, wenn das gerade an einer stark befahrenen Straße passieren würde.

Zu guter Letzt zeigen Sie mit der Leine nicht nur Ihrem Hund, dass Sie die Verantwortung für ihn übernehmen, sondern auch Ihren Mitmenschen. Auch wenn Sie selbst nicht dazugehören: Es gibt Leute, die sich vor Hunden fürchten. Und auch wenn man sie mag, möchte man nicht zwangsläufig von jedem freudig begrüßt oder sogar angesprungen werden.

Hunde binden sich instinktiv an uns, folgen uns aus freien Stücken, wollen uns begleiten und mit uns leben. Sie wollen, dass wir etwas mit ihnen unternehmen, und an unserer Seite sein. Es ist ein Irrtum anzunehmen, sie würden ihrem Menschen nur deshalb folgen, weil sie so trainiert wurden oder ängstlich sind. Es liegt in ihrer Natur, dass sie ihrer Mutter, ihren Geschwistern und schließlich auch ihrem Menschen erst ein- mal überallhin hinterherlaufen. Sie müssen das nicht lernen, sondern folgen einfach ihren Instinkten. Ob der Hund dabei eine Leine trägt oder nicht, spielt für ihn keine große Rolle. Das macht die ganze Sache im Prinzip sehr einfach. Denn im Grunde müssen Sie nichts tun, als diesen natürlichen Folgeinstinkt zu füttern.

Das Wichtigste ist, die Leine niemals dazu zu benutzen, wie verrückt an ihr herumzureißen oder sich daran festzuhalten und sich von dem Hund sinnbildlich durch die Gegend ziehen zu lassen. Und selbstverständlich erst recht nicht, um ihn damit zu maßregeln.

Nach dem Spaziergang Ruhe schenken

Nach dem Spaziergang legen Sie die Leine zur Seite und für den Hund ist es Zeit für ein Nickerchen. Unsere Hunde brauchen Ruhephasen. Momente der Ruhe sind für die Bindung genauso wichtig wie Spazierengehen oder andere gemeinsam verbrachte Zeit. Hunde sind aktive Tiere. Deshalb fällt es ihnen oft sehr schwer, sich von selbst eine Auszeit zu nehmen und zurückzuziehen. Für Ihren Hund ist es wichtig, dass Sie Ihr Leben mit ihm teilen, aber er braucht, wie Sie, auch einen Platz, an den er sich zurückziehen kann.

JOSÉ ARCE für PARTNER HUND MAGAZIN

Quelle: https://www.facebook.com/jose.arce.9216

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